Zámek Žďár

Johann Blasius Santini-Aichel

1677– 1723

Das Juwel der Barockgotik, die Wallfahrtskirche des hl. Johannes Nepomuk auf Zelená hora, wurde 1994 zu Recht in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen. Sein Schöpfer, der geniale Architekt und Baumeister Johann Blasius Santini-Aichl, sollte ursprünglich nach alter Familientradition Steinmetzmeister werden. Sein Vater entschied jedoch, dass es für den künstlerisch begabten, aber körperlich beeinträchtigten Sohn besser wäre, den Malerbruf zu erlernen und sich die Grundkenntnisse der Baukunst anzueignen. Er sollte mit seiner Entscheidung Recht behalten. Johann Blasius schuf während seines nur knapp bemessenen Lebens – er starb in seinem 46. Lebensjahr – rund sechzig Bauwerke von überdurchschnittlicher Qualität, von denen etwa zehn als Höhepunkte der europäischen Architektur jener Epoche gelten.

Im Alter von 23 Jahren erhielt das Architekturtalent seinen ersten Auftrag. Der Abt Wolfgang Lochner beauftragte ihn bei der Errichtung des Konvents des Zisterzienserklosters in Zbraslav mit der Bauleitung. Der gebildete Abt zeigte sich begeistert angesichts der neuartigen Auffassung des Konvents und angesichts der Tatsache, dass der junge Architekt nicht nur über Fremdsprachen und Geometriekenntnisse verfügte, sondern sich auch in christlicher und sonstiger religiöser Mystik auskannte. Lochners Empfehlung öffnete Santini die Türen zu weiteren Kirchenaufträgen. Schon zwei Jahre später wurde er mit dem Bau der Klosterkirche in Sedlec bei Kuttenberg beauftragt; danach folgten Plasy, Kladruby und Rajhrad (Reigern).

Santini und Abt Václav Vejmluva, der dem Zisterzienserkloster in Žďár vorstand, teilten in Bezug auf Architektur und Kunst die gleichen Auffassungen – eine Tatsache, die eine viele Jahre währende ersprießliche Zusammenarbeit der beiden zur Folge hatte. Es war das Verdienst Santinis, dass die Stadt zum Zentrum der Barockgotik in den böhmischen und mährischen Ländern avancierte. Der Architekt projektierte nicht nur den Bau der Kirche auf Zelená hora, sondern wirkte auch bei dem umfangreichen Umbau des ursprünglich gotischen Klosterareals mit. Einige der Bauten der Klosterherrschaft haben sich bis heute erhalten.

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